Warum „begleitete“ Aufstellungen?

Aufgrund meiner Erfahrungen mache ich fast nur noch begleitete Aufstellungen.

 

System- und Familienaufstellungen führen in sehr intensive und hoch komplexe psychische Dynamiken von Einzelpersonen oder Gruppen. Manchmal zeigen sich Zusammenhänge, die lange Zeit verschüttet oder unterdrückt waren und die ängstigend und überfordernd sein können. Wenn traumatische Erfahrungen den Hintergrund der persönlichen Problematik bilden, können sie in Form von Retraumatisierungen erneut belasten. Oft treten Schutzmechanismen auf den Plan wie Abwehr, Vergessen oder Selbstablehnung. Wenn die Klienten dann nicht kompetent begleitet sind, würde es mich dazu zwingen, Teile der Aufstellung zu unterdrücken, um den Klienten zu schützen. Um das zu verhindern und entstehende Belastungen aufzufangen und in eine heilsame Richtung zu lenken, habe ich diese begleitete Struktur entwickelt. Es hat sich herausgestellt, dass in den meisten Fällen eine stützende Nachbereitung hilfreich und notwendig ist, um das auftauchende Material zu verarbeiten und zu integrieren.

Die begleitende Person hat außerdem die Funktion, das auftauchende Material, also wesentliche Elemente der Aufstellung, schriftlich festzuhalten bzw. zu erinnern, was den Klienten wegen der situativen Betroffenheit oft nicht gelingt.

Bei Menschen, die mir sehr bekannt sind oder die selber therapeutisch arbeiten und aufgrund ihrer Therapieausbildungen viel Erfahrung mit eigenen seelischen Prozessen haben, mache ich Ausnahmen, ebenso bei den kleineren Bearbeitungen, die oft im Anschluss an die vorangemeldeten Aufstellungen noch stattfinden.

Weil es manchmal vorgekommen ist, dass Anliegensteller irgendeinen Bekannten als Begleiter mitgebracht haben, denen oft die professionelle Distanz fehlte und die das psychotherapeutisch Wesentliche der Aufstellung nicht verstanden haben, bin ich dazu übergegangen die Anmeldungen nur noch über die professionellen Behandler vornehmen zu lassen.