Die Rolle von Annahme und Selbstvergebung im Heilungsprozess

In diesem Vortrag geht es um ein Verständnis psychosomatischer Entwicklung von Krankheitssymptomen, das frei ist vom belasteten Begriff der Schuld.

Ich versuche unter Zuhilfenahme von Aufstellungsbildern, die ich mit Hilfe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam gestalte, anschaulich zu vermitteln, wie Störungen in der kindlichen Entwicklung entstehen, wie sie sich verstärken und unbewusst zur Grundlage späterer seelischer und körperlicher Krankheiten werden.

Dabei interessiert mich besonders zu vermitteln, wie und an welcher Stelle -therapeutisch unterstützte- Entwicklungsprozesse einen eigenaktiven Einfluss im Heilungsgeschehen ermöglichen können. Dazu müssen andere Formen der Behandlung nicht in Konkurrenz gesehen und abgewertet werden, sondern bleiben in der eigenverantwortlichen Entscheidungsfreiheit des Heilungsuchenden.

Es geht mir auch um die Abwendung vom Missverständnis der Psychosomatik als "Schuld des Kranken an seinen Symptomen" hin zu einem Verstehen der dialogisch-situativen Zusammenhänge bei der Entwicklung von Symptomen.

Dabei folge ich dem Verständnis des Psychosomatikers Viktor von Weizsäcker, der "Krankheit als das Ergebnis einer Selbstbewegung des Subjekts" verstand und anregte, "die unbewusste gestalterische Arbeit des Erkrankten, die für diesen einen verborgenen Sinn hat" zu erforschen und sie somit einer verantworteten Neubewertung zuzuführen.

Im Vordergrund steht dabei die Erörterung der drei Bewusstseinszustände: "Unbewusst" - "Gewahrsein" - "Selbstgewahrsein", die ich in meinem Aufsatz: "Seelisch-geistige Entwicklung und psychotherapeutische Systemaufstellungen" ausführlich beschreibe.

Zusätzlich werden Symptomaufstellungen aus dem Teilnehmerkreis durchgeführt und im Sinne des Themas reflektiert. Auf diese Weise können Begriffe wie "Annahme" und "Vergebung" aus ihrem oft eher theoretischen Verständnis konkret erfahrbar gemacht und in ihrer Wirkung auf Symptome erlebt werden.