Gelingensbedingungen und Problemfelder schulischer Inklusion

Mich interessiert besonders, wie der Anspruch uneingeschränkter Teilhabe im pädagogischen Alltag einer allgemeinen Schule umzusetzen ist.

Ich gehe der Frage nach, welche Veränderungen eine Schule durchlaufen muss, wenn sie niemanden ausschließen und aussondern möchte.

Um die Gelingensbedingungen schulischer Integration und Inklusion zu vermitteln zeige ich auf, warum es überhaupt zu dem Bedürfnis nach Aussonderung kommt und worin die Ängste begründet sind, die den Verzicht auf Segregation so schwer machen. Dabei liegt der Fokus der Betrachtung besonders auf den alltäglichen Schwierigkeiten und Konflikten einer wirklich inklusiven pädagogischen Praxis. Das bedeutet eine Auseinandersetzung mit den vielfältigen Erscheinungsformen menschlichen Seins und ihre Auswirkungen auf die pädagogische Praxis. Neben den verschiedenen Formen und Schweregraden unterschiedlicher Behinderungen geht es dabei besonders um den Umgang mit Schülerinnen und Schülern, die seelische Belastungen erlitten haben und im pädagogischen Alltag als sozial-emotional auffällig erfahren werden. Solche Belastungen entstehen in der Regel durch familiär oder individuell erworbene Traumatisierungen (oder Sekundärtraumatisierungen) mit daraus folgenden Bindungsstörungen.

Am Beispiel der vierzigjährigen integrativ-inklusiven Praxis der Berliner Fläming-Grundschule versuche ich in diesem Vortrag deshalb Impulse zu vermitteln, wie emotional-soziale Auffälligkeiten bei Kindern entstehen und warum sie pädagogisch so schwer zu bewältigen sind. Ich werde darüber hinaus beschreiben, welche konkreten Bedingungen in einem inklusiven schulischen Alltag zu entwerfen und entwickeln sind, um lindernd und lösend mit Belastungen durch Störungen und Konflikte umzugehen.

 

Dabei beschreibe ich ein praxisbewährtes Modell, das pädagogische und sonderpädagogische Strategien gemeinsam mit psychologischen bzw. psychotherapeutischen Kompetenzen im schulischen Alltag der Institution so fest verankert hat, dass sie für die beteiligten Menschen jederzeit präsent und abrufbar sind.

 

Unter Einbeziehung der Teilnehmer/innen werden wir einzelne zentrale Störungssituationen aufstellerisch exemplarisch nachbilden und Lösungsansätze experimentell erörtern. Diesewr Teil des Vortrages ist identisch mit dem Vortrag zum Thema1:"Belastungen und Störungen in pädagogischen Gruppen durch Schülerinnen und Schüler mit emotional-sozialen Entwicklungsproblemen und Verhaltensauffälligkeiten!"

 

Außerdem ist interessant, dass diejenigen Strukturen, die bei der Umsetzung inklusiver Pädagogik hilfreich und wirksam sind, auch bei der Integration von Kindern mit Fluchterfahrungen wesentliche Elemente zur Reduzierung von schulischen Alltagsproblemen leisten können. Die seelischen Auswirkungen von Traumatisierungen sind weitgehend unabhängig von den Lebensumständen, unter denen sie erworben werden. Entscheidend für den überforderten Organismus bleibt die Erfahrung von unerträglicher Angst in Kombination mit vollständiger Hilflosigkeit. In jedem Fall benötigen die betroffenen Kinder haltgebende Strukturen und kompetente therapeutische Hilfe, im Idealfall möglichst in Zusammenhang mit professioneller Elternberatung und supervisorisch abgestimmtem pädagogischen Handeln.

Insofern ist die Auseinandersetzung über hilfreiche Strukturen inklusiver Pädagogik gleichzeitig eine Erörterung über Bewältigungsformen aktueller schulischer Herausforderungen.